Was bedeutet Nährstoffdichte?

Stand:

Ist eine hohe Nährstoffdichte wirklich sinnvoll? Ich lese im Internet immer wieder, dass man bei Lebensmitteln auf eine hohe Nährstoffdichte achten soll. Wenn ich mir verschiedene Lebensmittel anschaue, komme ich aber zu einem seltsamen Ergebnis:

  • Zucker besteht zu 100% aus Kohlenhydraten, also zu 100% aus einem Nährstoff. Also sehr gesund...
  • Eine Tomate besteht aber nur zu 6g aus Nährstoffen - der Rest ist Wasser. Somit müsste eine Tomate eine sehr niedrige Nährstoffdichte haben und sehr ungesund sein.

Habe ich etwas falsch verstanden, oder wird der Begriff Nährstoffdichte falsch verwendet?

Off

Der Begriff Nährstoffdichte wird häufig ungenau oder falsch verwendet. Er besagt nämlich nicht, ob in einem Lebensmittel an sich viele Nährstoffe enthalten sind. Die Nährstoffdichte gibt vielmehr das Verhältnis vom Nährstoffgehalt in einem Lebensmittel zum Energiegehalt dieses Lebensmittels an:

Nährstoffdichte = Nährstoffgehalt : Energiegehalt

Die Ernährungsempfehlung, Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte zu verzehren, besagt also nichts anderes, als energiearme und dafür nährstoffreiche Lebensmittel zu verzehren.

In Ihrem Beispiel hat der Zucker einen hohen Gehalt an Kohlenhydraten, gleichzeitig aber auch einen hohen Kaloriengehalt. Das senkt die Nährstoffdichte. Zudem enthält Zucker keine weiteren lebensnotwendigen Stoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe.

Gemüse dagegen - wie die Tomate - enthält neben viel Wasser auch Kohlenhydrate wie Zucker und Ballaststoffe, sowie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Gleichzeitig ist der Energiegehalt gering. Rechnerisch ergibt das also eine hohe Nährstoffdichte für Gemüse.

Wie Sie sehen, ist der Nährstoffbegriff hier weit gefasst und beinhaltet nicht nur die energieliefernden Nährstoffe Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate. Er umfasst auch andere lebensnotwendige Stoffe, neben Vitaminen und Mineralstoffen sind das beispielsweise bestimmte Eiweißbausteine und Fettsäuren.

Je nach Zusammenhang ergänzen Experten deshalb, wenn es um die Nährstoffdichte eines Lebensmittels geht, welcher Nährstoff im betreffenden Fall gemeint ist.

ältere Nutzer-Kommentare aus dem Jahr 2020 und davor

Arno, am 29.11.2016, 18:47
Also wenn ich hundert Gramm Tomate habe ergibt sich folgende Rechnung:

Naehrstoffdichte = 6g : 18 Kalorien

= 0,33

und beim Zucker

Naehrstoffdichte = 100g : 387 Kalorien

= 0,26

Ist die Rechnung so richtig?

Der Unterschied erscheint mir immer noch nicht besonders gross.

Oder wie rechnet man sonst die verschiedenen Naehrstoffe zu einem Gesamtwert zusammen?

 

Redaktion:
Wie gesagt, streng genommen müsste man ergänzen, um welchen Nährstoff es denn im Einzelfall geht. Haushaltszucker besteht aus Saccharose - und nichts weiter. Folglich ist Zucker am Nährstoff Saccharose "dicht", aber möchte man damit seinen Bedarf an Proteinen, Ballaststoffen oder Vitaminen decken, könnte man sehr viel davon essen und würde es doch nicht schaffen.

Da der Mensch eine Vielzahl an verschiedenen Stoffen über die Nahrung zuführen muss, hat sich ein umfassender Begriff der "Nährstoffdichte" eingebürgert. Ein Lebensmittel hat demnach eine hohe Nährstoffdichte, wenn es viele der insgesamt für den Körper nötigen Stoffe bei gleichzeitig niedrigem Energiegehalt liefert. Dies ist in unserer Gesellschaft insofern eine sinnvolle Empfehlung, da die meisten eher zu viel Energie über die Nahrung aufnehmen. An anderen lebenswichtigen Stoffen, beispielsweise am Vitamin Folsäure, sind wir dagegen eher unterversorgt.

Konkrete Rechnungen zur Dichte einzelner Nährstoffe werden in der Praxis eigentlich nur bei besonderen diätetischen Fragen angestellt, z.B. wenn es um die Zusammensetzung von Spezialnahrungen für Sportler, Sondennahrung oder Ähnliches geht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Die Verbraucherzentrale nutzt und speichert die in diesem Kommentarfeld erhobene E-Mail-Adresse ausschließlich für die Bearbeitung Ihres Kommentars im Forum. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht.

Sie haben das Recht, Ihre Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen, z.B. per E-Mail an die Adresse datenschutz@verbraucherzentrale.nrw. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

*Pflichtfelder