Ist Verpackung aus Talkum bedenklich?

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Seit langem kaufe ich Weidemilch-Joghurt im 500g Becher eines Bio-Herstellers. Dieser besteht aus einem Talkum-Kunststoff-Gemisch. Kennzeichnung: PP-GF-50, daneben noch F1. Ich stelle beim Entnehmen bzw. "Auskratzen" der Joghurtreste mit dem Löffel fest, dass die Becherwand leicht rau ist, nicht so glatt wie sonst bei anderen Joghurtbechern. Der Hersteller verweist auf dem Becher auf die umweltschonende Herstellung und Verwertung der Verpackung. Interessanterweise habe ich dieses Material bislang ausschließlich beim Joghurt gefunden, nicht bei anderen Milchprodukten (Quark, Saure Sahne etc.), was mich auch leicht stutzig macht. Frage: Ist diese Verpackung aus Talkum-Kunststoff-Gemisch gesundheitlich bedenklich? Kann es sein, dass bedenkliche Stoffe in das Lebensmittel übergehen und man diese mit verzehrt? Kann es sein, dass sich beim Auskratzen des Bechers Stoffe lösen und man diese mit verzehrt? Wohlgemerkt: Ich nehme nur einen normalen Löffel, kein Messer o.ä., beschädige also die Verpackung nicht. Ich las, dass Talkum in anderer Verwendung gesundheitsschädlich sein soll und im Verdacht steht, krebserregend zu sein (z.B. Buntstifte, Babypuder, Kosmetik etc.). Sollte ich auf die "normalen" Joghurt-Plastikbecher umsteigen?

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Vielen Kunststoffen werden mineralische Füllstoffe zugesetzt um den Anteil fossiler Rohstoffe auf bis zu 50 %  zu reduzieren. Ein Beispiel hierfür ist Talkum. Der Zusatz von Talkum zu Kunststoffen für den Lebensmittelkontakt ist gemäß VO (EU) Nr. 10/2011 zulässig. Füllstoffe werden aber nicht nur eingesetzt um den Anteil an teurem Kunststoffmaterial einzusparen, sondern auch um Optik (weiß einfärben) und bestimmte Eigenschaften wie Härte der Kunststoffe und damit Stabilität zu verbessern. Dabei darf die sogenannte Polymerstruktur des Kunststoffes nicht gestört werden, damit der Kunststoff chemisch stabil bleibt.

Es liegen keine Hinweise vor, dass der Anteil an mineralischen Füllstoffen in Kunststoffen zu einer Instabilität der Struktur führt. Das heißt, dass sich durch mechanische Einwirkung (Auskratzen mit dem Löffel)  kein Talkum ablöst und das Lebensmittel kontaminiert.

Talkum selbst wird sogar als Zusatzstoff in Lebensmitteln eingesetzt. Es trägt die E-Nummer E 553b und dient als Trennmittel.

Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch den Gebrauch von Talkum in Kunststoff ist daher aus unserer Sicht nicht zu erwarten.

Die Anforderungen an Verpackungen sind nach Richtlinie EG/1935/2004 folgende:

Materialien und Gegenstände […] sind nach guter Herstellungspraxis so herzustellen, dass sie […] keine Bestandteile auf Lebensmittel in
Mengen abgeben, die geeignet sind, die menschliche Gesundheit zu gefährden oder eine unvertretbare Veränderung der Zusammensetzung herbeizuführen oder eine Beeinträchtigung der organoleptischen (geruchlichen und geschmacklichen) Eigenschaften der Lebensmittel herbeizuführen.

 

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Artikel zu den rechtlichen Rahmenbedingungen von Verpackungen.

 

 

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