Ist Kokosöl wirklich so gesund?

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Wie beurteilen Sie "Kokosöl", das jetzt überall propagiert wird?

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Kokosöl bzw. -fett wird aufgrund seiner technologischen Vielseitigkeit bereits seit langem im Ernährungs- und Kosmetikbereich eingesetzt. Eine bekannte Anwendung sind beispielsweise die so genannten Plattenfette. Dabei handelt es sich um Kokosfett in fester Form, das zum Hocherhitzen und Frittieren verwendet wird. Lange Zeit galt Kokosfett aufgrund seines Gehaltes an gesättigten Fettsäuren pauschal als "ungesund". In teilgehärteten Kokosfetten ist zudem die Bildung von Transfettsäuren ein Problem.

Mittlerweile rücken jedoch die im Kokosöl enthaltenen mittelkettigen Fettsäuren verstärkt ins Interesse der Wissenschaft. Dazu zählt beispielsweise die Laurinsäure, deren Anteil mit etwa 50 Prozent an den Gesamtfettsäuren im Kokosöl besonders hoch ist. Mittelkettige Fette, so genannte MCT-Fette, werden bereits im Rahmen mancher Diäten, in Sportlernahrung oder als Hilfsstoff in der Lebensmittelindustrie eingesetzt.

Obwohl es wissenschaftliche Hinweise gibt, dass Kokosöl möglicherweise anders als andere Speisefette mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren im Körper wirkt, besteht weiterhin Forschungsbedarf. So fehlen bislang aussagekräftige Langzeitstudien, beispielsweise, was die Wirkung von Kokosöl auf den Cholesterinspiegel oder im Rahmen einer Gewichtsreduktion betrifft.

Vor diesem Hintergrund sind auch die angeblichen wissenschaftlichen Belege für die Heilswirkungen zu sehen, mit denen Kokosölprodukte häufig beworben werden. Zum Teil wird Kokosöl als eine Art Wundermittel gegen verschiedenste Krankheiten hochgelobt. Diese Aussagen entsprechen weder den Empfehlungen von Fachgesellschaften (z.B. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Krebsgesellschaft) noch sind sie rechtlich zulässig.

Es ist daher nach dem derzeitigen Kenntnisstand aus unserer Sicht nicht ratsam, einen Großteil der Speisefette durch Kokosöl zu ersetzen. Wer möchte, kann Kokosöl als Abwechslung in der eigenen Küche verwenden. Hochwertige Speiseöle wie Rapsöl sollten jedoch weiterhin ihren Platz behalten, da sie lebenswichtige, essentielle Fettsäuren liefern.

ältere Nutzer-Kommentare aus dem Jahr 2020 und davor

Dr. Karl Simon, am 16.03.2019, 08:36
Leider ist die Fachliteratur noch recht dünn und es existieren keine Langzeitstudien, auf die sich solideErnährungsempfehlungen stützen können.

Eine interessante seriöse Studie von 2018


https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5855206/


belegt aber, dass Kokosöl mit Bezug auf LDL und HDL in einer 4 Wochen Interventionsstudie signifikant besser als Butter und mindestens so gut wie natives Olivenöl abschnitt.


Jeder mag daraus seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen.


Winfried Klingbeil, am 12.11.2016, 16:18
Ich habe mich bei Zentrum der Gesundheit.de und bei gesundwege.com mal informiert. Das halte ich für aussagekräftiger. die DGfE und die DK sind doch nicht relevant da Industrie gesteuert

 

Redaktion:
Anerkannte wissenschaftliche Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung oder die Deutsche Krebsgesellschaft treffen ihre Aussagen nach sorgfältiger Prüfung der aktuell vorhandenen wissenschaftlichen Literatur. Ist die Datenlage noch zu dünn oder nicht eindeutig kann keine Empfehlung getroffen werden. Wie im Beitrag erwähnt, gibt es für Kokosöl lediglich „Hinweise“ aber bisher keine ausreichenden Beweise für eine gesundheitsfördernde Wirkung. Kokosöl wird nicht verteufelt, es sollte in der Ernährung aber auch anderen Ölen sein verdienter Platz gelassen werden. Gesundheitsportale wie „Zentrum der Gesundheit“ treffen ihre Aussagen selektiv und verkaufsgesteuert, d.h. die Websitebetreiber verdienen am Verkauf der geschalteten Produkte. Zudem enthalten sie häufig unzulässige gesundheitsbezogene Angaben zur Wirkung von Lebensmittel(bestandteilen) auf die Gesundheit oder gar zur Unterstützung oder Vorbeugung bei Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs. Seit der Health-Claim-Verordnung seit Ende 2012 dürfen nur noch zugelassene und wissenschaftlich gesicherte Aussagen für Lebensmittel(bestandteile) gemacht werden. Kokosöl fällt nicht darunter. Meinungen auf Websiten wie gesundwege.com, die von Privatpersonen ohne jeglichen wissenschaftlichen Hintergrund betrieben werden, müssen als nicht verlässlich bezeichnet werden, wenn die Quellen für die Meinungsfindung nicht bekannt sind.

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