Wie gefährlich ist Carrageen?

Stand:

Bei Rohköstlern werden der Carrageen-Alge (weißes Irisches Moos, Irish Moss, Rotalgenart) u.a. entzündungshemmende Wirkungen und Steigerung des Stoffwechsels zugesprochen. Des Weiteren soll die Alge über sehr gute Vitalstoffe verfügen. Wenn Carrageen (E407) im Verdacht steht, krebserregend zu sein bzw. die Darmschleimhaut zu schädigen, wie kann diese Algenart als Superfood gelten? Erfolgt die Ernte der Algen nachhaltig? Gibt es heimische Alternativen, die ebenfalls über diese positiven Eigenschaften/Gelierfähigkeit verfügen?

Off

Rotalgen zählen zu den Makroalgen und sind, wie auch andere Algen bei Rohköstern oder Veganern als "Supergreens" sehr beliebt. Sie enthalten in der Regel höhere Mengen an Omega-3-Fettsäuren, Mineralstoffe (vor allem Jod) und Ballaststoffe. Allerdings sind die Inhaltstoffe nicht nur je nach Art sehr unterschiedlich, sondern es können auch innerhalb einer Art sehr große Schwankungen auftreten. Diese sind abhängig von der Saison bzw. Erntezeit, dem Anbaugebiet und dem Verarbeitungsprozess.

Die Forschung steckt, was die positive gesundheitliche Wirkung von Algen angeht, allerdings noch am Anfang.

Für die Erzeugung von Carrageen werden die Algen heute überwiegend auf den Philippinen gezüchtet. Die europäischen Produktionsmengen sind vergleichsweise gering, Produzenten hier sind Frankreich, Irland, Großbritannien und Norwegen. In Deutschland gibt es seit einigen Jahren auch eine Rot- und Braunalgenzucht auf Sylt. Dort werden die Algen schon nach 3–4 Monaten geerntet, sodass der Jodgehalt geringer ist als in häufig aus Asien importierten Produkten.

Carrageen ist ein Mehrfachzucker (langkettiges Polysaccharid).

Durch Waschen mit heißem Wasser und anschließendem Kochen in Lauge lässt sich das Polysaccharid aus den Algenzellen isolieren.

Die gesundheitliche Wirkung ist also nicht mehr mit den frischen oder getrocknenten Algen vergleichbar.

Wissenschaftlich ist bisher nicht geklärt, ob Carrageen als Zusatzstoff für den Menschen tatsächlich gesundheitsschädlich ist. Für Allergiker kann er ein Problem darstellen, in Säuglingsnahrung sollte er nicht verwendet werden. Mehr dazu finden Sie hier.

Sicher ist dagegen, dass (Rot)algen teilweise einen extrem hohen Jodgehalt aufweisen, zudem sind sie häufig mit Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Aluminium und Arsen belastet. Aus diesem Grund raten wir beim Konsum von Rotalgen zur Vorsicht. Ein plötzliches Jod-Überangebot kann zum Gesundheitsrisiko werden. Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten auf den Verzehr von Meeresalgen ganz verzichten. Alle anderen sollten nur solche Meeresalgenprodukte kaufen, die eindeutige Angaben zum Jodgehalt und zur maximalen Verzehrmenge enthalten. Die Schwermetallbelastung kann über einen längeren Zeitraum aufgenommen Herz-Kreislauf-, Nieren- oder Knochenerkrankungen fördern.

Mehr dazu finden Sie hier in unserem Artikel "Oft zu viel Jod in Meeresalgen-Produkten".

Leider gibt es für Algen(-produkte) in Deutschland bislang keine staatlich zugelassenen Höchstmengen an gesundheitsschädlichen Stoffen. Frankreich hingegen hat Grenzen vorgegeben, die durch auf dem Markt zugelassene Produkte nicht überschritten werden dürfen.

Alternative pflanzliche Gelier- oder Bindemittel sind beispielsweise Xanthan (E 415), Guarkernmehl (E 412) oder Johannisbrotkernmehl (E 410). Vor allem die beiden letztgenannten stammen jedoch auch nicht aus Deutschland und können in Einzelfällen Allergien auslösen.

Xanthan wird mit Hilfe von Bakterien aus zuckerhaltigen Substraten gewonnen. Wenn Sie Xanthan im Bioladen erwerben ist die Verwendung von genteschnisch veränderten Mikrooranismen ausgeschlossen.

 

ältere Nutzer-Kommentare aus dem Jahr 2020 und davor

Heidi H., am 15.10.2020, 14:55
Hallo,

die Beobachtungen von Michi kann ich nur bestätigen. Dass ich auf Carrageen mit Darmkrämpfen und Durchfallattacken reagiere habe ich vor einigen Jahren auch im Selbstversuch festgestellt. Mittlerweile genügen kleinste Mengen z.B.wenig Tortenguß um Reaktionen auszulösen.Schon etliche Leidensgenossen, die ich auf C. hinwies, wurden durch konsequenten Verzicht "geheilt".Bei Ärzten stößt man allerdings auf Unglauben und wird als Reizdarmpatient abgestempelt.


Guinevra, am 05.11.2020, 17:29
Nichts ahnend im Restaurant ein Apfelkuchen gegessen und anschl. (ca. 30 Min. danach): Darmkrämpfe und Durchfallattacke!

Auf Anfrage verriet man mir, dass im Kuchen ein industrielles Cremepulver verwendet wurde (mit Carrageen)! Auch auf Guarkern- und Johannisbrotkernmehl reagiere ich entsprechend. Dauerte mehr als 30 Jahre, bis ich die Ursache eingrenzen und finden konnte ....!


Michi, am 11.09.2020, 23:27
Nach mehrmaligem Versuch am eigenen Leib, weil ich den Beweis haben wollte: Ich kann Carrageen gar nicht mehr vertragen. Immer, wenn es im Essen oder auch Trinken drin ist, bekomme ich eine Dickdarmentzündung mit blutigen Durchfällen. Mittlerweile würde wahrscheinlich schon weniger als ein Becher Sahne mit dem Zeug bei mir ausreichen. Carrageen sollte verboten werden, zumal es immer mehr Menschen werden, die chronisch entzündliche Darmerkrankungen bekommen. Ich finde es schlimm, dass dieser Stoff mittlerweile in so vielen Nahrungsmitteln enthalten ist, dass man gar nicht mehr weiß, was man noch essen kann. Eis, Desserts, Sahne, Kondensmilch, Schokolade, fertiger Kakao, Cappucchino...etc. Die Nahrungsmittelindustrie sollte mal wieder normale Inhaltsstoffe verwenden. Unsere Lebensmittel können dann gerne mehr kosten, wenn die Zutaten hochwertig sind. Das Geld würde ich für meine Gesundheit investieren. Aber wie das momentan so läuft, kann ich nur hoffen, dass ich nicht irgendwann Darmkrebs bekomme. Im Restaurant essen gehen oder mal was bestellen geht bei mir gar nicht mehr. Nur selbst kochen hilft und ich bin beschwerdefrei.


Ingrid Haupt, am 20.08.2020, 13:53
Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit Interesse habe ich Ihren Beitrag zu Carrageen gelesen.

Ich habe eine Fructoseintolleranz. Milchprodukte Verträge ich sehr gut. Allerdings habe ich bei Schlagsahne wieder mein Durchfallproblem. Kann da Carrageen das Übel sein?

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Haupt

 

Redaktion:
Wir können auch nur Vermutungen anstellen, gehen aber erstmal nicht davon aus, dass das Carrageen die Ursache ihrer Beschwerden ist. Die enthaltene Menge in Sahne ist dafür vermutlich zu gering. Es gibt auch Sahnehersteller, die auf Carrageen oder andere Verdickungsmittel verzichten. Wenn Sie nach dem Verzehr einer solchen Sahne wieder Beschwerden hätten, dann kämen diese nicht vom Carrageen.

Eine mögliche Ursache könnte die Fettmenge sein, die Sie nicht richtig verarbeiten können. Am besten beobachten Sie, ob Sie ähnliche Beschwerden auch nach dem Verzehr anderer fetthaltiger Gerichte haben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Die Verbraucherzentrale nutzt und speichert die in diesem Kommentarfeld erhobene E-Mail-Adresse ausschließlich für die Bearbeitung Ihres Kommentars im Forum. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht.

Sie haben das Recht, Ihre Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen, z.B. per E-Mail an die Adresse datenschutz@verbraucherzentrale.nrw. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

*Pflichtfelder