Was ist Gellan und kann man das bei Hashimoto verzehren?

Stand:

Ich ernähre mich vegan und habe festgestellt, dass bei immer mehr veganen Produkte Gellan (aus Algen) enthalten ist, vor allem in den Pflanzenmilchen. Ich habe Hashimoto und eine Jodallergie und soll Jod, sowie jodhaltige Fixpäckchen meiden. Auch wird häufig Meersalz oder Jodsalz verwendet. Die Bäckereien meide ich deshalb schon seit Jahren. Kann ich Produkte mit Gellan, Meersalz und Agar Agar verzehren?

Off

Bei Gellan handelt es sich um einen Zusatzstoff (E 418), der als Gelier- und Verdickungsmittel verwendet wird. Dieser wird nicht aus Algen gewonnen, sondern mithilfe von Bakterien produziert. Er ist somit jodfrei.

Dieser Vielfachzucker wird vom menschlichen Körper nicht aufgenommen und wie Agar Agar als Ballaststoff unverdaut ausgeschieden. Der übermäßige Verzehr kann abführend wirken. In einem Sojadrink hält er das Sojaeiweiß in der Schwebe, so dass es ich nicht absetzen kann.

Produkte mit Gellan können Sie also betreffend Ihre Krankheit bedenkenlos verzehren.

Agar Agar, ein Zusatzstoff (E 406), der aus bestimmten Meeresalgen, den Rotalgen, gewonnen und beispielsweise als Verdickungs- oder Geliermittel eingesetzt wird, trägt aufgrund der geringen Mengen, die verwendet werden, nicht maßgeblich zur Jodversorgung bei.

Auch wenn ärztlicherseits eine jodarme Kost empfohlen wird, können in der Regel Produkte, die Süßwasseralgen oder Zusatzstoffe aus Meeresalgen enthalten, bedenkenlos verzehrt werden.

Meersalz ist generell jodarm. Das Jod im Meerwasser ist flüchtiges Jodid. Licht und Luft zersetzen es, wenn es zu Salz kristallisiert. Daher enthält angereichertes Jodsalz in der Regel mehr Jod als Meersalz.

Selbst die Verwendung von Jodsalz stellt kein gesundheitliches Risiko dar. Die Jodmenge, die Salz zugegeben werden darf, ist gesetzlich geregelt und liegt bei 15 bis 25 mg/kg. Sie ist so gewählt, dass für gesunde Menschen ebenso wie für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen kein gesundheitliches Risiko besteht.

Allerdings sollten Sie, speziell wegen ihrer Jodallergie, die Empfehlungen Ihres Arztes befolgen.

Die Verwendung von jodiertem Speisesalz in verarbeiteten Lebensmitteln ist rückläufig. Lediglich 10 Prozent der industriell hergestellten Brote und Backwaren enthielten in 2019 noch Jodsalz. Bei Fleisch und Fleischerzeugnissen waren es nur 47 Prozent. Fragen Sie in den Bäckereien nach, ob diese Jodsalz verwenden. Vielleicht finden Sie in ihrer Nähe eine Bäckerei, die darauf verzichtet.

Allgemeine Informationen zu Jod für gesunde Menschen:

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Im menschlichen Körper ist Jod für die Bildung von Schilddrüsenhormonen notwendig, die an der Steuerung von Stoffwechsel, Wachstum, Knochenbildung, Gehirnentwicklung sowie Energiestoffwechsel beteiligt sind.

Wird über längere Zeit zu wenig Jod aufgenommen, kann es zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen kommen. Generell sollte daher auf eine ausreichende Jodzufuhr in der Ernährung geachtet werden.

Der tägliche Bedarf unterliegt individuellen Schwankungen und ist je nach Lebensalter und weiterer Faktoren wie Rauchen oder Schwangerschaft unterschiedlich hoch. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollten gesunde Erwachsene je nach Alter 180-200 Mikrogramm Jod täglich zu sich nehmen. Der Bedarf kann über eine vielseitige Ernährung mit Seefisch, Meeresfrüchten, Fleisch, Eiern, Milch und Milchprodukten (sofern jodhaltiges Futter verwendet wird) sowie Jodsalz gedeckt werden. Beim Verzicht auf Lebensmittel tierischen Ursprungs (Fleisch, Fisch, Milch, Eier) ergibt sich ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung mit Jod. Vegetarier, Veganer und Personen, die eine spezielle Diät halten müssen, sollten daher besonders auf eine ausreichende Jodversorgung achten.

Da auch ein Zuviel an Jod schädliche Auswirkungen haben kann, sollte die maximale Aufnahmemenge von 500 Mikrogramm pro Tag nicht überschritten werden. Stark jodhaltige Speisen wie beispielsweise Meeresalgen oder Sushi sollten nur in Maßen genossen werden, denn deren Gehalte an Jod können enorm hoch sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Die Verbraucherzentrale nutzt und speichert die in diesem Kommentarfeld erhobene E-Mail-Adresse ausschließlich für die Bearbeitung Ihres Kommentars im Forum. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht.

Sie haben das Recht, Ihre Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen, z.B. per E-Mail an die Adresse datenschutz@verbraucherzentrale.nrw. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

*Pflichtfelder

Vielen Dank für Ihren Artikel. Ihrer Äußerung, die Jodmenge in Jodsalz sei auch für Schilddrüsenkranke unbedenklich, muss ich aus persönlicher Erfahrung wiedersprechen. Ich habe Morbus Hashimoto und meine stark erhöhten Antikörperwerte gingen erst dann zurück, als ich nicht nur zuhause auf Jodsalz verzichtete, sondern auch auswärts (sprich: der Imbiss unterwegs und das Restaurant 1x die Woche nur noch ohne Jodsalz). Nur durch diese Jodkarenz habe ich meine Schildddrüsenantikörperwerte auf ein Achtel des vorherigen Werts gebracht, vorher veränderte sich nichts, trotz guter medikamentöser Einstellung. Meine Schilddrüsenärztin berichtet mir, dass ich kein Einzelfall bin. 

Da chronisch erhöhte Autoantikörper die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man noch weitere Autoimmunerkrankungen bekommt, würde ich Jodsalzkonsum bei Hashimoto aus sehr relevant bezeichnen. Eine gute Freundin von mir hat Morbus Basedow und ihre Krankheit auch erst unter Kontrolle, seit sie Jodsalz streng meidet. Wir wissen, dass viele Ärzte der Auffassung sind, Jodsalz in normalen Mengen würde nicht schaden. Leider stimmt das aus unserer Erfahrung nicht. 

Anmerkung der Redaktion:

Vielen Dank für Ihren Kommentar, der für Betroffene sehr wichtig ist. Wir berufen uns bei unseren Aussagen auf anerkannte Quellen, wie beispielsweise die Ärztezeitung oder das Bundesinstitut für Risikobewertung. Trotzdem muss immer individuell nach der Verträglichkeit von Jod geschaut werden.