Warum enthält Gelierzucker Palm- und Kokosöl?

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Wir haben heute  Gelierzucker 2:1 gekauft und waren im Nachhinein entsetzt, dass der Hersteller dieses Produkts für die Produktion Palmöl und Kokosöl verwendet. Der Anbau beider Zutaten steht im Verdacht, massiv zur Abholzung des Regen- bzw. Urwaldes in den Anbauregionen beizutragen. Leider konnten wir im Markt kein Alternativprodukt ohne Palm- bzw. Kokosöl ausfindig machen. Es wäre schön, wenn Hersteller durch Nichtbezug der Produkte mit Palm- bzw. Kokosöl zur Nachhaltigkeit beitragen würden.

Marmelade in den Gläsern
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Fett verringert das Aufschäumen beim Kochen der Konfitüre. Palmöl (und seltener Kokosöl) wird gern genutzt, weil es bei unseren Raumtemperaturen fest ist. Wird stattdessen z.B. Sonnenblumenöl im Gelierzucker verwendet, so muss dieses zuvor industriell gehärtet werden.
 
Kokosöl ist bisher weniger problematisch, weil Kokospalmen meist in kleinbäuerlichen Strukturen und Mischkulturen angebaut werden.
 
Der Palmöl-Boom der letzten Jahrzehnte hat leider zu einer enormen Regenwaldvernichtung geführt, damit immer neue Ölpalmen-Plantagen angelegt werden konnten. Daher rufen viele Initiativen dazu auf, Produkte zu meiden, die Palmöl enthalten. Allerdings hat der WWF in seiner Studie "Auf der Ölspur" (2016) errechnet, dass der Ersatz von Palmöl durch andere Fette die globale Umweltproblematik verschärfen würde. Grund dafür ist, dass in der Produktion aller anderen Öle und Fette pro Mengeneinheit mehr Fläche benötigt wird und höhere Treibhausgasemissionen entstehen als bei der Herstellung von Palmöl.
 
Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist es daher nicht zu empfehlen, lediglich Palmöl durch andere Öle oder Fette zu ersetzen, sondern insgesamt den Verbrauch von Fetten einzuschränken.
 
In unserer Ernährung bedeutet das:
  • weniger Schokolade, fettreiche Süß- und Knabberwaren essen,
  • lieber selbst kochen und dabei auf eine fettarme Zubereitung achten, statt  Fertiggerichte zu verwenden und
  • weniger Fleisch und tierische Lebensmittel essen (denn ein beträchtlicher Anteil der Palmölimporte wird im Tierfutter verarbeitet).

 

Bedenken Sie auch, dass mehr als die Hälfte der in Deutschland pro Jahr verbrauchten 1,8 Millionen Tonnen Palmöl für Biodiesel verwendet wird. Daher ist die Einschränkung des Autofahrens ein besonders wichtiger Ansatzpunkt zur Verringerung des Palmölverbrauchs.

Angesichts dieser Palmölmengen stellt der Gelierzucker mit seinen 0,2 Prozent Palmöl kein großes Problem dar. Allerdings gibt es Alternativen:

  • Es wird auch Gelierzucker ohne Palmöl angeboten, insbesondere Bio-Gelierzucker, aber auch konventionelle Produkte, oder
  • kochen Sie Konfitüre ohne fertigen Gelierzucker, indem Sie einfachen Zucker verwenden und Pektin oder andere Geliermittel zugeben und ggf. etwas Zitronensaft. Wenn Sie die Konfitüre nicht zügig aufbrauchen möchten, sollten Sie den Schaum mit einer Schaumkelle entfernen und nicht mit in die Einmachgläser geben.

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