Gekeimte Kartoffeln noch essbar?

Stand:

Ich lese, dass angekeimte Kartoffeln lieber in den Müll sollen (vermutlich wegen des Solanins). Zählen dazu auch schon die kleinen Triebknöpfchen? Die wachsen nämlich bereits nach 3 Tagen ab Kauf. Ich lagere sie deshalb lieber im Kühlschrank und verbrauche sie innerhalb von zwei Wochen.

Auf einem Tisch liegen mehrere Kartoffeln, die bereits ausgekeimt haben
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Bevor Speisekartoffeln in den Supermarkt transportiert werden, werden sie in vorwiegend vollklimatisierten Lagerhäusern aufbewahrt. Bei Temperaturen zwischen sieben bis zehn Grad Celsius bleibt die Qualität der Kartoffeln weitgehend erhalten und das Auskeimen wird verhindert.

Bei "haushaltsüblicher Lagerung" zwischen 12 bis 14 °C oder wärmer keimen Kartoffeln aus. Dieser Prozess beginnt bereits im Supermarkt.

Zu Beginn der Keimung, wenn die Länge des Keims etwa 1 cm beträgt, verändert sich der Solaningehalt in der Knolle nur gering. Stark ausgetriebene Knollen mit langen Keimen (über 10 cm Länge) weisen neben erhöhten Mengen an Solanin auch deutliche Verluste an Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralien und Eiweiß auf. Aus diesen Gründen sind diese Knollen nicht mehr zum Verzehr geeignet. Das gleiche gilt auch für stark ergrünte Knollen, die zu viel Licht ausgesetzt waren.

Solanin ist eine leicht bitter schmeckende Substanz, die in einigen Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln und Tomaten gebildet wird. Solanin kommt in unreifen oder durch Lichteinwirkung grün gefärbten Kartoffeln vor sowie im Bereich der Keime. Auch in den Schalen der Kartoffelknolle ist es zu finden, da die Pflanze Solanin natürlicherweise als Abwehrstoffe gegen Fraßschäden bildet.

Deshalb sind die richtige Lagerung und Zubereitung sehr wichtig:

  • Kartoffeln möglichst kühl lagern (unter 15 °C), trocken und dunkel. Unter 4 °C wird die enthaltene Stärke jedoch in Zucker umgewandelt und die Kartoffeln schmecken süß.
  • Kartoffeln sollten nicht in einem Folienbeutel aufbewahrt werden. Darin kann es zur Feuchtigkeitsbildung kommen und dadurch zu Schimmelbefall.
  • Ist kein kühler Vorratsraum vorhanden, so ist der Einkauf kleinerer Mengen Kartoffeln sinnvoll, die rasch aufgebraucht werden können.
ältere Nutzer-Kommentare aus dem Jahr 2020 und davor

Klemm, am 15.11.2020, 19:21
absolut lächerlich :D ist wieder so ne Masche, damit paar Leute sich schlau fühlen können und die Industrie noch mehr an unserer Wegwerfgesellschaft verdient.

Die meisten Mineralstoffe und Vitamine gehen auch bei ungereiften Kartoffeln mit dem Kochwasser und dem Dampf flöten was den Verfassern des Threads wohl nicht bewusst war.

Darum isst man generell die Kartoffeln auch nicht wegen der Vitamine, sondern wegen der Stärke und die enthält auch die gekeimte Kartoffel noch genug. Denkt bitte mal nach bevor Ihr sowas schreibt, was wissenschaftlich weder Hand noch Fuß hat.

Vor allem: Wenn sich der Solanin-Gehalt bis 1 cm Keimlänge kaum verändert, warum sollte man ab 1 cm die Kartoffeln wegwerfen? Ich gehe stark davon aus, dass sich der Gehalt linear aufbaut und auch bei 1-5 cm Keimlingen zu vernachlässigen ist.

 

Redaktion:
Kartoffeln haben noch mehr zu bieten als nur die Stärke. Sie liefern hochwertiges Eiweiß, Vitamine (vor allem Vitamin C) und Mineralstoffe (vor allem Kalium). Wie viel der Nährstoffe verloren gehen, hängt auch von der Art der Zubereitung ab. Nährstoffschonend ist es, wenn die Kartoffeln mit der Schale gekocht und erst danach geschält werden und die Kartoffeln auch nicht unnötig lange im Wasser liegen. Am meisten Nährstoffe sind in Bratkartoffeln enthalten, die aus rohen Kartoffeln zubereitet wurden.

Wir möchten auch nicht, dass unnötig Lebensmittel weggeworfen werden. Daher appelieren wir, dass lieber eine kleinere Menge Kartoffeln eingekauft werden sollte, wenn man keine geeigneten Lagerungsmöglichkeiten hat.


Sandra, am 02.08.2020, 19:17
Mir schmecken gekeimte Kartoffeln besser. Kriegen ein Kastanienaroma


Victor, am 07.06.2020, 16:17
Alles gequirlte Schaise...ich habe letztens eine riesen Pfanne Bratkartoffeln mit gekeimten und völlig verschrumpelten Kartoffeln gemacht und sie haben prima geschmeckt. Weder habe ich Kopfschmerzen bekommen, noch explosionsartigen Durchfall, noch übelriechende giftige Gase und ein zweiter Kopf ist mir auch nicht aus der Schulter gewachsen.

 

Redaktion:
Nichts von dem was Sie aufzählen haben wir in unseren Ausführung geschrieben. Wir bitten Sie sachlich in unserem Forum zu bleiben.


Schillab Siegfried, am 24.04.2020, 00:43
Ich habe getestet, schrumpelige, jedoch nicht grün verfärbte Kartoffel mit teilweise sehr langen Keimen zuzubereiten, indem ich sie gründlich entkeimte, ca eine Stunde in kaltem Wasser stehen ließ und anschließend garkochte. Und siehe da, die nach dem Kochen geschälten Kartoffel waren weder im Aussehen, noch im Geschmack von frischen Kartoffel zu unterscheiden.

 

Redaktion:
Das ist machbar und eine gute Möglichkeit der Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken. Wie schon öfter hier erwähnt, ist der Vitamingehalt von derartigen Kartoffeln nicht mehr so hoch. Besser wäre es Kartoffeln in solchen Mengen zu kaufen oder zu lagern, dass sie vor dem Auskeimen verzehrt werden können.


P. Schaefer, am 08.04.2020, 21:03
Ich habe vor zwei Jahren zum ersten Mal "das Gerücht" gehört, dass gekeimte Kartoffeln nicht mehr verzehrt werden sollten. Meine schwangere Tochter hatte diese Information irgendwo aufgeschnappt. Schwangere bekommen heute viel verboten, war wir früher essen konnten.


Ich bin 60 Jahre alt und habe mein Leben lang aus den Kartoffeln die max. 2 cm langen Keime mit einem spitzen Messer konsequent (alle) tief ausgestochen. So habe ich das von meiner Mutter gelernt. Ich rate zu planen, wie schnell man eine gewisse Menge verzehrt und nicht so viel einzukaufen, dass man am Ende längere Triebe hat, oder wässrige oder faule Kartoffeln wegwerfen muss.


Die Kartoffelsorten waren früher lagerfähiger und man hatte kalte dunkle Lagerstätten. Das Wissen, dass die Keime tief ausgestochen werden sollen, ging wohl verloren, und somit wird heute leider viel von diesem Grundnahrungsmittel weggeworfen, was noch genießbar wäre.

Der Unterschied zwischen genießbar und ernährungswissenschaftlich wertvoll wurde hier schon mehrfach erwähnt.


Harald Schüßler, am 30.03.2020, 13:14
Meine bei ca.10 Grad dunkel gelagerte Kartoffeln haben ca.10cm lange Keime gebildet. Sie sind weder geschrumpelt noch haben sie grüne Stellen. Sind zwei Knollen täglich, gekocht und geschält zum Verzehr geeignet ?

 

Redaktion:
Wie hier schön öfter erwähnt, führen Kartoffeln mit langen Keimen beim Verzehr nicht zu Vergiftungserscheinungen. Der Solaningehalt ist zu niedrig, auch bei einer geringen Menge von zwei Stück am Tag. Daher können Sie die Kartoffeln bedenkenlos verzehren.


Hannelore Waldmann, am 18.03.2020, 18:37
Meine Kartoffeln lagern in einem Steintopf abedeckt im Keller. Sind sehr fest haben aber trotzdem längere weiße Keime.ich denke schon, daß ich diese noch essen kann.

 

Redaktion:
Ja, genau. Wie unten bereits geschrieben, muss man eine sehr große Menge an Solanin zu sich nehmen, damit es zu Vergiftungserscheinungen kommt.


C. Czoch, am 16.02.2020, 13:34
Also manchmal kann ich mich dermaßen aufregen, was man alles so im Internet lesen kann. Die Redaktion antwortet ja selbst, dass es nicht schädlich ist, keimende Kartoffeln zu essen, weil ja der Solaningehalt gar nicht ausreicht für Vergiftungserscheinungen. Sollte es gesünder sein die mit einem Keimstoppmittel behandelten Kartoffeln zu essen? Ich esse lieber die nicht derart behandelten Kartoffeln und mache die Keime ab. Kartoffeln keimen ab 8 ° C und nicht wie beschrieben bei 12 oder mehr °C. Eine Kartoffel wird schrumpelig, weil sie Wasser, Mineralstoffe und Vitamine verliert. Der Landwirt würde sagen, sie steckt die Kraft in die Keime um dann später in der Erde auch wachsen zu können. Mit ein bisschen Nachdenken kann sich das jeder selbst herleiten. Mein Wissen gabe ich übrigens aus der Schule und ein bisschen Kleingärtnerei der Eltern.

Leute, schmeißt nicht alles weg, nur weil es in den Medien so dargestellt wird! Hinterfragt lieber die Gründe und bildet euch eure eigene Meinung.


Veronika Wildner, am 14.03.2019, 10:22
Ich frage mich, wie ich bisher überlebt habe, bin immerhin 72 zur Zeit. Als Kind wurde ich im Frühjahr in den Keller geschickt, um unsere Kartoffeln zu entkeimen, die Keime waren 20-30 cm lang. Bis jetzt verwende ich auch heute die schrumpeligen Kartoffeln, da ich kaum etwas, was nicht gerade schimmelt, wegwerfe.

Ist das verantwortungslos?RDMEBS

 

Redaktion:
Kartoffeln mit sehr langen Keimen enthalten mehr Solanin und sehr viel weniger positive Inhaltsstoffe, wie beispielsweise Vitamine.

Man muss eine sehr große Menge an Solanin zu sich nehmen, damit es zu Vergiftungserscheinungen kommt. Mit normalen Mengen erreicht man diese nicht. Daher ist es durchaus möglich auch die sehr schrumpeligen Kartoffeln noch zu verzehren. Außer ein paar Ballaststoffe und der Sättigung haben diese Kartoffeln für den Körper jedoch keine weiteren Vorteile.


Axel Lutz, am 05.07.2020, 16:20
Ich bin 75 und kann das Gleich berichten! Wir haben im Herbst Kartoffen für 5 Personen eingekellert. obwohl es dunkel und kalt war in dem Keller haben die gekeimt, die Keime sind bald durch die Ritzen in den Kolzkästen gewachsen....Die haben wir entkeimt und als Salzkartoffeln, oder als Pellkartoffeln den ganzen Winter durch bis etwa Februar / März gegessen... NIE ein Problem gehabt... immer gesund gewesen!!!!!


J. Buscher, am 26.04.2017, 18:48
Also, essbar oder nicht? Bzw wann nicht mehr? Der Text enthält keine brauchbare Antwort.

 

Redaktion:
Keime bis zu 1 cm Länge können entfernt und die Kartoffeln problemlos verzehrt werden. Keime länger als 10 cm sind zwar noch genießbar, aber aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht mehr wertvoll. Die Keime sollten -um den Solaningehalt zu verringern- tief ausgestochen werden.


Wolfgang Kannecht, am 12.06.2016, 10:47
Wir versuchen die lang ausgekeimten Kartoffeln noch als Pflanzkartoffeln zu nutzen.


Axel Lutz, am 05.07.2020, 16:13
Wenn keimende Kartoffeln wirklich so giftig sind, dürfte ich nicht existieren...Wir haben in meiner Kindheit Kartoffeln im Herbst „eingekellert“ weil es ja über Winter keine Kartoffeln zu kaufen gab...die haben natürlich immer gekeimt, weil wir die gleich nach der Ernte eingekellert hatten...das war im Spätherbst...zuweilen sind die keime durch die Ritzen in den hölzernen Lagerkästen gewachsen.....Bis etwa Februar haben wir dann „giftige Kartoffeln gegessen??? Keiner in unserer 5 köpfigen Familie ist jemals krank geworden...

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