Was bedeutet das MSC-Siegel bei Fisch und wird das kontrolliert?

Stand:

Ich habe eine Frage bezüglich des labellings "nachhaltiger" oder "beifangfreier" Fischprodukte (MSC-Siegel, etc.) Gibt es innerhalb der deutschen Verbraucherschutzlandschaft rechtliche Schritte gegen diese Label? Denn meinem Verständnis nach können sich Fischfangunternehmen das beliebige Label kaufen und es gibt keine existierenden Kontrollinstanzen, die überprüfen, ob wirklich beifangfrei gefischt wird. Sollte ich etwas falsch verstanden haben, klären sie mich gerne auf!

Zudem interessiert mich ob in Deutschland/Europa die Toxinbelastung von Fisch untersucht wird, um so eventuelle Gesundheitsrisiken durch Schwermetalle zu verhindern.

Viele Fische liegen gefangen in einem Netz.
Off

Beim Wildfisch gibt es eine Vielzahl an Siegeln (z.B. Naturland Wildfisch, SAFE, Friend oft the Sea (kurz FOTS), MSC), die Auskunft über Fangmethoden und nachhaltige Fischwirtschaft geben sollen. Doch die Kriterien sind von Siegel zu Siegel sehr unterschiedlich. Grundsätzlich ist jedoch der Kauf von Fisch mit solchen Siegeln gegenüber „konventionellem“ Fisch zu befürworten, da alle Organisationen ihren Teil dazu beitragen, die Fischwirtschaft nachhaltiger zu gestalten und damit die Überfischung nicht weiter voranzutreiben.

Beispiel MSC-Siegel: Uns sind keine rechtlichen Schritte gegen die Siegelorganisation bekannt. Der Marine Stewardship Council (MSC) ist eine gemeinnützige Einrichtung mit Hauptsitz in London.

Die Kriterien und das Vergabesystem sind unserer Meinung nach sehr transparent und basieren nach eigenen Angaben auf drei Prinzipien:

  1. Fischbestände zu schützen, d.h. Fischbestände so zu nutzen, dass sie in einem guten Zustand bleiben oder nachweislich wieder dorthin anwachsen
  2. Das Meer als Lebensraum zu schützen  - Auswirkungen des Fanggerätes oder Beifang werden betrachtet
  3. Wirksames Management, d.h. Fischereien erhalten nur das MSC-Siegel, wenn sie ihre Fischerei nachhaltig ausrichten und ihre Auswirkungen auf das befischte Ökosystem kennen und weiter reduzieren

Für das MSC-Siegel müssen die Fischereibetriebe auch belegen wie sie Beifang, d.h. den Fang anderer Meerestiere als der erwünschten Fischart, vermeiden. Jedoch schreibt das Siegel keine Kameras oder Beobachter an Bord der Schiffe vor, um den Beifang zu überwachen. MSC verspricht auch keine beifangfreie Fischerei. Wie genau MSC den Beifang reduzieren möchte, können Sie hier nachlesen.

Das Label MSC kann nicht einfach gekauft werden und MSC bewertet selbst auch keine Fischereien, sondern dafür existieren unabhängige Gutachter und Prüfstellen, die die Zertifizierung durchführen. Diese entscheiden dann nach Rücksprache mit Expert*innen, Forschungsinstituten und Fischereibehörden, ob die MSC-Standards erfüllt werden. Die Zertifizierung gilt max. 5 Jahre mit jährlicher Kontrollprüfung. Die Kosten für die Zertifizierung trägt das jeweilige Handelsunternehmen und jede Fischerei.

 Jedoch müssen die Kritiken von Greenpeace und auch eine Studie des Kieler Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung ernst genommen werden. Letztere ergibt, dass ein erheblicher Teil der untersuchten Fischbestände, obwohl sie MSC-zertifiziert sind, überfischt ist oder sich gar an der Grenze zur Überfischung befindet.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist das MSC-Label ein Schritt in die richtige Richtung, da es dazu beigetragen hat nachhaltigen Fischfang zu fördern. Produkte mit MSC-Siegel sind Produkten ohne Siegel vorzuziehen, jedoch sollte aus unserer Sicht das MSC-Siegel weiterentwickelt werden. Grundsätzlich wäre ein einheitliches Siegel mit gesetzlich festgelegten Anforderungen für nachhaltig gefangenen Fisch und neutrale Kontrollen sinnvoll. Das würde die Kaufentscheidung für Verbraucher vereinfachen.

Zum Thema Schwermetalle in Fisch:

Gemäß der gesetzlichen Regelungen dürfen in Deutschland nur solche Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden, die sicher sind. Für die Sicherheit der Lebensmittel sind die Lebensmittelunternehmer*innen verantwortlich. Dabei wird die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen durch die Lebensmittelüberwachung der einzelnen Bundesländer regelmäßig kontrolliert. So wird Fisch stichprobenmäßig auch auf Schwermetalle wie Quecksilber, polychlorierte Biphenyle (PCB) und Dioxine untersucht.

Je nach Verunreinigung des Gewässers sowie der Art und dem Alter der Fische können diese unterschiedlich hoch mit Quecksilber belastet sein. Dabei sind EU-weit Höchstgehalte für Quecksilber in Fischen und Fischerzeugnissen festgelegt worden, die durch die Lebensmittelüberwachung der jeweiligen Bundesländer kontrolliert wird.

Bei üblichen Verzehrsgewohnheiten von Fisch ist für die Verbraucher*innen i.d.R. keine gesundheitliche Gefährdung zu erwarten. Jedoch wird für Schwangere und Stillende empfohlen Fische, die potenziell höher mit Quecksilber belastet sein können, zu vermeiden – dazu zählen Haifisch (im Handel auch als "Schillerlocken" erhältlich), Buttermakrele, Aal, Steinbeißer, Schwertfisch, Weißer und Schwarzer Heilbutt, Hecht, Seeteufel, Thunfisch sowie Rotbarsch.

Im Bodengrund der Flüsse können sich über die Jahre auch Dioxine und PCB angesammelt haben. Daher können auch wildlebende Flussfische Schadstoffe wie Dioxine und PCB aufnehmen. Angler*innen sollten regionale Hinweise für den Verzehr selbst geangelter Flussfische beachten. Selbst geangelte wildlebende Flussfische unterliegen nicht der Lebensmittelüberwachung, werden jedoch auch regelmäßig untersucht – siehe auch Schadstoffe in sächsischen Angelfischen unter https://www.landwirtschaft.sachsen.de/schadstoffuntersuchungen-von-fischen-14079.html.

 

Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch die Stellungnahmen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR):

Schreiben Sie einen Kommentar

Die Verbraucherzentrale nutzt und speichert die in diesem Kommentarfeld erhobene E-Mail-Adresse ausschließlich für die Bearbeitung Ihres Kommentars im Forum. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht.

Sie haben das Recht, Ihre Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen, z.B. per E-Mail an die Adresse datenschutz@verbraucherzentrale.nrw. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

*Pflichtfelder